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Prälemenarien:
Photografie kann ein Abenteuer sein. Insbesondere wenn man sich mit den "Jurassic
Park"-Modellen einer längst versunkenen Ära der Photografie beschäftigt.
Aber ist nicht gerade das der Reiz, der das Photografieren ausmacht? Ich kann
die alten Relikte einfach nicht wie viele Sammler nur in der Vitrine vor sich
hinschmoren lassen. Da muss ein Film rein und dann müssen die Veteranen
zeigen, was sie können. Oft gibts Überraschungen, wenn z.B eine "Leica
III" von 1934 meiner "Minolta Dynax 700si" von 1995 locker das
Wasser reichen kann.
Hier nun ein kleiner Bericht über einen besonders weiten Schritt zurück
in die Vergangenheit der "Kunst, mit Licht zu malen". Gehen wir also
gut 120 Jahre zurück...
Die Idee wird geboren
Die Idee, eine alte Glasplattenkamera zu reaktivieren, gärte schon
seit 1995 in mir. Als Westernhobbyist war mir auf den Westerntreffen, wo sich
die Leute wie im 19. Jahrhundert anzogen und eine bestimmte Epoche der amerikanischen
Geschichte (Trapper, Indianer, Unabhängigkeitskrieg, Bürgerkrieg etc.)
repräsentieren, aufgefallen, das das "Outfit", daher die stilechte
Kleidung und Ausrüstung oft hervorragend war. Photos von diesem Outfit
wurden dann aber immer mit hochmodernen Kleinbildkameras auf jämmerlich
winzige 24x36mm "Filmfetzchen" gemacht. Ohne die moderne KB-Photografie
schlecht machen zu wollen, aber alte Originalaufnahmen zum Beispiel aus dem
Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865), aufgenommen auf alte Kollodium-Glasplatten,
haben einen eigenen Zauber, eine Auflösung, eine eigene Art der Perspektive,
einen "Flair", der mit keinem modernen Spitzenfilm und mit keiner
noch so hochtechnisierten KB-Kamera zu reproduzieren ist!
Warum nicht auch die Photographie ganz stilecht, passend zur Zeitepoche, gestalten?
Eine alte Holz-Balgenkamera müsste man benutzen, mit grossformatigen S/W-Glasplattenegativen,
ganz stilecht, mit Holz-Dreibeinstativ, schwarzem Tuch und Magnesiumblitz; wie
zu Mathew Bradys Zeiten.
Die Idee nimmt Gestalt an
Im Juni 2000 habe ich es dann geschafft. Für
400DM konnte ich bei eBay eine Holz-Balgenkamera mit dem Glas-Negativformat
13x18cm ersteigern. Dazu gabs auch noch ein stilechtes Holz-Stativ.
Die Kamera war in hervorragendem Zustand. Der Balgen bis auf ein
paar harmlose Schimmelflecke fast wie neu. Das Gehäuse musste
nur kurz mit Ballistol abgerieben werden und ein kleiner Holzriss
wieder verleimt werden. Die Kamera ist russischer Bauart und überraschend
neu: Ein russisches Herstellerschild weisst sie mit Serien-Nr. und
dem Baujahr 1969(!!) aus! |
Die Holz-Plattenkamera, wie ich sie bei eBay ersteigert hatte. |
Photoplatten - Und wo kriegen wir die nun her?
Die Kamera war also wieder "feuerbereit",
nun fehlte nur noch die passende "Munition" im entsprechend
aussergewöhnlichem "Grosskaliber". Anfangs hatte
ich sogar die Idee, die Platten selber herzustellen, 100% stilecht
im "Wet collodion process", wie es einige "Old Style
Photografen" in den USA tatsächlich noch heute tun. Doch
der Aufwand wäre gigantisch: Dutzende (teilweise giftige, brennbare,
gefährliche) Chemikalien, eine transportable Dunkelkammer,
da die Kollodium-Platten sowohl direkt vor Ort beschichtet, gleich
belichtet und sofort entwickelt werden müssen, hatten noch
zusätzlich angeschafft und gebaut werden müssen. Damit
wollte ich mich noch nicht belasten, zumal ich so viel Equipment
im PKW kaum transportieren konnte und ein Teil der benötigten
Grundchemikalien, besonders Äther und Schiessbaumwolle, in
Deutschland nicht frei erhältlich sind. Was ich brauchte, waren
Gelantine-Trockenplatten, die Richard Leach Maddox 1871 erfand.
Auch die wären also vom Zeitrahmen her noch stilecht genug.
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Dr. Richard Leach Maddox, |
Houston, wir haben ein Problem...
Und mit diesen Platten tauchte auch das erste, grössere Problem auf:
Lieferbar waren sie nur in der Empfindlichkeit 100ASA/21DIN... und meine Kamera
hatte zwar ein Objektiv mit Blende, aber keinen Verschluss. Der war wohl ursprünglich
ein einfaches Abnehmen und Wiederaufsetzen der Objektivkappe. Damit kann man
Platten mit sekundenlanger Belichtungszeit, wie sie damals üblich waren,
noch belichten. Aber keine 100er-Platten... auch bei Blende 32 wäre ich
immer noch zu langsam mit dem "Objektivdeckel-Verschluss" und würde
hoffnungslos überbelichten.
Schnell auf und zu - Auf der Suche nach einem Verschluss
War da nicht ein alter pneumatischer Verschluss für Holzkameras bei
eBay zu ersteigern? Schnell den Computer an und bei eBay reingeguckt... zu Spät!
Gepennt! Auktion ist beendet und irgendein anderer glücklicher Sammler
lässt wohl nun den Verschluss, den ich benutzen wollte, in einer Vitrine
verstauben ... Schade.
Auch die Suche nach "Verschluss" in eBay brachte nichts brauchbares.
Also nochmal die Abt. "Photographica" Stück für Stück
durchgegangen...
Halt! Stop! Was ist das? Eine alte Kodak-Plattenkamera Baujahr 1908 in einem
jämmerlichen Zustand: Das Objektiv fehlt, der Balgen hat Risse, die komplette
Rückseite fehlt: Ein Wrack! Nicht mehr zu restaurieren! Aber das "Wrack"
hat noch einen Verschluss und das Erstgebot steht auch nur bei 30DM! Könnte
klappen... könnte klappen!
Auch 1908 gabs schon "Montagsserien", oder: Einen Verschluss
wieder Leben einhauchen
Es bot auch sonst keiner mit. Ich war der einzige
Irre, der für solch ein "ausgebranntes Wrack" bereit
war, 30 Märker hinzublättern. Der Verkäufer muss
sich ins Fäustchen gelacht haben, das er das Schrotteil
noch an einen Trottel für 30 DM "verklitschen" konnte.
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2 Scans des Kodak-Verschlusses |
Der Verschluss bekommt eine neue Aufgabe und ein neues "Zuhause"
Den Verschluss setzte ich in ein kleines Holzkästchen
zwischen Objektiv und Objektiv-Trägerplatte. Den Auslöser
führte ich mit einem kleinen Drahtauslöser nach
aussen. Die Vorderseite, auf der das Objektiv sitzt, gestaltete
ich als Klappdeckel mit Kugel-Schnappverschluss, damit ich an den
Verschluss noch zum Einstellen der Zeiten rankomme. Die Ränder
des Deckels umklebte ich mit schwarzem Filz, damit auch ja kein
Lichtteilchen irgendwo anders durchkam als durch das Objektiv. |
Die Kamera nach dem Umbau mit Holz- |
Wir leisten "Entwicklungshilfe"
Mittlerweile stellte ich mir die Frage "Und wer entwickelt mir nachher
die Photoplatten?" Anfragen bei Photohändlern und Photografen erzeugten
erstauntes Kopfschütteln: "Was? Glasplatten? Da hatten sie vor 90
Jahren zu meinem U-Ur-Urgrossvater gehen sollen".
Also auch hier: Alles muss man selber machen!
Gab da nur ein kleines Problem... Ich photographiere zwar schon seit meinem
9 Lebensjahr, habe aber noch nie selber entwickelt. Mein einziges Photobuch,
das sich mit der Filmentwicklung beschäftigte, war ein Kinderbuch ("Mit
Deiner Kamera auf Jagd" von Fischer Flick-Flack), das ich mir auch als
9-Jähriger gekauft hatte. Zumindest konnte ich daraus entnehmen, was man
alles zum selbst Entwickeln braucht. Neben dem Abenteuer "Plattenkamera"
stürzte ich mich nun auch noch parallel dazu
ins Abenteuer "Photolabor". Irgendwo sollten dann die beiden
Unternehmen zusammenkommen und entwickelte Photoplatten liefern.
Aber wenn schon, denn schon wollte ich das Ganze gleich so aufziehen, das ich
auch gleich meine KB-Filme und meine Rollfilme entwickeln und vergrössern
konnte.
Auch hier wurde ich bei eBay fündig und konnte ein Komplettset mit Jobo-Color-Processor,
Vergrösserer, Negativ-Entwicklungsdose, Papierentwicklungsdrum etc. ersteigern.
Nun entstand also im Keller auch ein kleines Photolabor. Den Umgang damit und
die Feinheiten der Photochemie musste ich noch erlernen. Die 13x18-Photoplatten
passten natürlich nicht in den Jobo-Colorprocessor, geschweige denn in
irgendeine serienmässige Negativ-Entwicklungsdose. Da musste ich mich dann
wohl bei völliger Dunkelheit von Hand durch die 3 Schalen mit Entwickler,
Unterbrecher und Fixierer "tasten". Dafür würden die Abzüge
einfach werden: Einfach die entwickelte Photoplatte aufs Photopapier legen,
belichten, und das belichtete Photopapier ab in die Jobo-Papierdrum... bei dem
Riesenformat ist ein Vergrössern ja gar nicht nötig.
Auf der Suche nach Plattenkassetten
Mittlerweile machte ich mich wieder im WWW auf die Suche. Diesmal nach weiteren
Kassetten für die Glasplatten, da bei der Kamera nur eine Doppelkassette
dabei war. Auch hier wurde ich glücklicherweise schnell fündig. Bei
www.photographica-world.de waren noch Holz-Kassetten für 13x18-Platten
zu bekommen. Die Aussenmasse von 5 Kassetten kamen auch ungefähr passend
zu meiner Kamera hin. Bei einigen musste ich Holz an den Rändern wegschleifen
und Messingecken anschrauben, auf die etwas zu kleinen Kassetten wurden aussen
Holzleisten aufgeleimt. Am Ende wurde das Holz noch überarbeitet, neu gebeizt
und mit Leinölfirnis eingerieben. War ein wenig fummelig, aber am Ende
hatte ich insgesamt 6 Doppelkassetten für 12 Photoplatten.
Out of the Dark into the Light: Erste Ergebnisse aus der Dunkelkammer
Nebenbei übte ich das Selbstentwickeln mit KB-Schwarzweissfilmen. Da
ich zur Zeit auch zwei alte Leica-III Kameras im Funktionstest hatte, konnte
ich die Testfilme gleich selbst entwickeln. Klappte auch alles überraschend
gut, beide Leicas waren voll funktionsfähig und auch die entwickelten Filme
waren zu meiner Zufriedenheit. Auch am Vergrösserer übte ich nun und
viel Photopapier landete im Papierkorb, aber bald hatte ich den Dreh raus.
Es geht los: Die ersten "scharfen Schüsse"
Mitte Oktober 2000 kamen meine 12 Photoplatten endlich an. Nun hatte ich
alles für die ersten Testbilder zusammen. Im Photolabor hatte ich mittlerweile
auch die C41- und RA4-Prozesse für Farbbilder in den Griff bekommen. Konnte
also eigentlich auch bei den Platten nichts mehr schiefgehen... dachte ich...
aber da hatte ich falsch gedacht...!
7.10.2000: Erste Versuche mit Photopapier
Um moglichst wenig der teuren Photoplatten zu "versaubeuteln",
machte ich die ersten Aufnahmeversuche direkt auf Photopapier (Tetenal
Work Baryt 13x18cm). Natürlich entstanden dabei Negative auf
Positivpapier. Auch das Objektiv der Kamera lernte ich nun besser
kennen. Es lieferte fast kreisrunde Bilder, die zu den Rändern
hin unschärfer werden. Wie bei vielen der alten Kameras aus
dem 19. Jahrhundert üblich (deswegen haben wohl auch so viele
Photos aus der Zeit um 1860-1890 ovale Schmuckrahmen). |
Eine der Aufnahmen direkt auf Photopapier bei
Dieselbe Aufnahme, am Computer invertiert |
8.10.2000: Der erste "scharfe Schuss" geht daneben :-(
Tja, und dann wurde es Zeit für den ersten "scharfen Schuss"
auf eine der teuren Platten. Dazu zitierte ich meine Eltern als "Photo-Opfer"
auf die Terrasse und belichtete bei Blende 32 (damit möglichst viel auf
dem Bild scharf wird) 0,5 Sekunden. Mit der Plattenkassette verschwand ich nun
in der Dunkelkammer. Leider lag den Platten kein Entwicklungsdatenblatt bei,
aber nach Anfrage bei Photo Grandé konnte ich mich an klassichen KB-Schwarzweissfilmen
wie den "Ilford FP4" oder dem "Orwo NP20" orientieren. Ich
fand in den Tetenal-Entwicklungsdatenblättern den FP4, den ich als "Vorlage"
nahm.
Ich entwickelte (bei totaler Dunkelheit) 12 Min. mit "Tetenal Ultrafin
Liquid" bei 1:20 Verdünnung, liess das Stoppbad 5 Min. einwirken,
und fixierte dann in "Tetenal Superfix" 7 Min. danach legte ich die
Platte ins Wasserbad und schaltete erwartungsvoll das Licht an...
WOW! Da war das Bild auf der Platte! Noch sehr unterbelichtet, aber es hatte
tatsächlich geklappt! Doch "grande Merde!", wie der Franzose
wohl sagen würde, dann passierte es: Leichte Blasen bildeten sich auf der
Platte, Emulsionsfahnen waberten durch das Wasser: Verdammt!! Vorsichtig nahm
ich die Platte nach nur 1 Min. aus dem Wässerungsbad, das Bild auf ihr
zerlief in Schlieren, tropfte dunkel ins Wasser. Nur ein jämmerlicher Rest
Emulsion hielt sich am Plattenrand: Verdammt! Verdammt!! Gottverdammte Sch.....!!!
Himmelhergottkruzitürkensakramentanochamoa!!!!
Irgendwas war gründlich schiefgelaufen, irgendwo habe ich was falsch gemacht.
Hatte ich nicht genug fixiert? Hatte das Wässerungsbad oder das Licht die
Ablösung der Emulsion von der Glasplatte ausgelöst? War das Wässerungsbad
zu warm (etwa 25-28°C) Durfte ich die Platte überhaubt wie einen KB-Film
wässern?
Wie dem auch sei, eine Glasplatte war nun "versaut", aber ich schrieb
gleich eine kurze E-Mail an den Plattenhersteller (Fa. Wephota in Werningerode)
mit der Frage, wo mein Fehler liegen könnte und was für Entwicklungsrichtlinien
sie empfehlen, denn noch ein Platte wollte ich nicht "vergeigen".
Erstmal müssen Daten ran, dann konnte der nächste Versuch stattfinden.
25.11.2000: Der zweite Versuch...
Der Chef von Wephota höchstpersönlich
schickte mir das Analysezertifikat der etwa 40-50 Platten die in
September 2000 hergestellt worden sind (12... äh,... jetzt
nur noch 11 dieser Platten hatte ich ja :-) und die dortigen Daten
sahen doch etwas anders aus, als ich im ersten Versuch angenommen
hatte. |
Die erste gelungene Aufnahme ist im Kasten! |
Bilder von mir überdauen bis in alle Zeit...
Naja, ganz so übertreiben will ich nun doch nicht, aber die 30 Min.
Wässerungszeit überstand die Platte diesmal absolut unbeschadet. Nun
nur noch ein Spritzer Netzmittel (Agfa Agepon), und raus zum Trocknen! Nun mochte
das "Bild von mir" zwar nicht unbedingt "bis in alle Ewigkeit
überdauern", aber eine Lebenserwartung von 100-150 Jahren bei sachgerechter
Lagerung müsste ja schon drin sein. Viele alte Platten beweisen ja diese
Lebensdauer noch heute.
Es dauerte gut 4 Stunden, bis die Platte vollständig durchgetrocknet war.
Ein wenig Staub hatte sich auf der Emulsion breitgemacht. An diesem Fehler muss
ich noch arbeiten. Auch die Objektiv/Verschlusskombination muss möglicherweise
nochmal überarbeitet werden, da der Abstand Objektiv-Verschluss wohl zu
gross ist und der Strahlengang dadurch zu weit eingeengt wird (nur ca. 60-65%
der möglichen Plattengrösse werden z.Z. ausgenutzt). Der Verschlusskasten
muss also noch flacher gestaltet werden, damit Objektiv und Verschluss möglichst
dicht zusammenstehen.
Aber es hatte geklappt! Die erste Belichtung in klassischer Art auf Photoplatte,
fast wie bei Mathew Brady!
Einige Tage später machte ich die ersten Abzüge als Kontakt-Print.
Mein Vergrösserer diente (mit voll aufgedrehtem Objektiv und ohne Negativ
in der Negativbühne) als Lichtquelle und nach dem Entwickeln wurde das
Bild mit Sepiatonung noch fix um 120 Jahre gealtert :-)
Nachtrag vom 3.12.2000:
Ich habe den Verschlusskasten nun um 1,2 cm verkürzt und tatsächlich
hat sich der Bildkreis der auf die Mattscheibe projeziert wird, nach ersten
"Trockentests" nach allen Seiten um gut 2,5cm vergrössert. Mit
weiteren Testaufnahmen ist im Moment aber nicht viel zu wollen, da Herbst und
Winter bekanntermassen nass, regnerisch, trüb und windig sind.
Nachtrag vom 27.12.2000:
Dilettanten óle!
Tja, die Kamera war also in Ordnung... aber irgendwie wurde ich in den Wochen
nach der ersten gelungenen Testaufnahme den Verdacht nicht los,
das die Kamera eben nicht 100% OK ist. Irgendwie störte mich der enge Bildkreis,
auch wenn ich ihn durch Kürzung des Verschlusskastens
vergrössern konnte. Auch die Randverzerrungen des Objektivs waren alles
andere als normal. War das wirklich bei allen alten Linsen so? Meine
anderen alten Mattscheiben-Apparate (Voigtländer "AVUS" und "Bergheil")
waren zwar jüngeren Konstruktionsdatums, aber das Bild dieser alten
Grossformat-Apparate war bis in die Ecken klar und unverzerrt. Ein riesiges,
altes Messingobjektiv befindet sich noch in meinem Besitz.
Es muss so um 1860 rum gebaut worden sein und ist wohl für eine Daguerrotypie-Kamera
gedacht (Steckblenden, eigene
Schraubfokus-Einstellung). Das Objektiv, provisorisch auf die Trägerplatte
der Holzkamera gesetzt, zeichnete komplett bis in die Ecken
auf der Mattscheibe scharf! Wieso ist die Original-Linse der Holzkamera eigentlich
vorne flach wie ein Brett? Sowas habe ich noch nie bei einer Photooptik gesehen.
ist das richtig so? Da ist doch irgendwas faul...!! Ist die russische Optik
denn so mies?
Nein, nur der "Dilettant", der das Ding (vor weiss ich wie vielen
Jahren wohl schon) mal falsch wieder zusammengeschraubt hat. Und ich selbst
verdiente auch den "Idiotenorden am baumelden Bunde mit Eichenlaub, Schwertern
und Brillanten", weil "ich Doof" über ein halbes Jahr
brauchte, um das überhaubt erst zu merken! Die vordere Linse des Objektivs
war verkehrt herum eingebaut!
Ein reines Wunder, das das erste Testbild überhaubt was geworden ist! Probeweise,
auf den du mpfen instinktiven Verdacht hin, die Linse also
mal anders herum reingeschraubt, und siehe da: Die Kamera zeichnet bis in die
letzte Ecke der Mattscheibe messerscharf, absolut unverzerrt und
kristallklar.
Fortsetzung folgt...
Und was kommt als nächstes? Das "Abenteuer Plattenkamera"
ist ja noch lange nicht vorbei! Weitere Experimente (u.A. mit dem gekürzen
Verschlusskasten) werden folgen. Auch die Abzüge werden ein Kapitel für
sich: Barytpapier? Selentoner? Goldtoner, gar vielleicht "Albumen-Printing"?
Zur Zeit favorisiere ich in meiner Planung neben dem doch recht modernen Barytabzug
das "Argyrotypie"-Verfahren, für das es bei Phototec sogar ein
Komplettset gibt: es ist einfacher, als sich aus zwei dutzend Eiern eine "Albumen"-Beschichtung
selbst zusammenzumixen, aber noch kompliziert genug, so dass es bestimmt eine
spannende Fortsetzung dieser Geschichte abgeben wird.
Auch gibt es diverse Photoemulsionen von Tetenal (Work Fotografik Emulsion)
oder MACO (Black Magic), die zwar eigentlich dafür gedacht sind, als Positivmaterial
wie Photopapier zum Beschichten von Textilien, Keramik usw. zu dienen, die eventuell
aber auch dazu taugen könnten, bei verlängerten Belichtungszeiten
von 20-60 Sekunden auch als orthochromatische Negativplatte zu arbeiten. Die
Glasplatten würde ich mir vom Glaser zuschneiden lassen. Beschichtung und
Entwicklung könnten bei rotem Dunkelkammerlicht stattfinden (halt wie festgradiiertes
S/W-Photopapier) und billiger würden mich die Platten dann auch kommen.
Carsten Corleis für Classic Camera Reference
Juni bis Dezember 2000
Anhang Firmeninfos:
Online-Auktion: |
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Photolabor und Zubehör: |
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Photoplatten (Vertrieb): |
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Photoplatten (Hersteller): |
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Photochemie und Photopapier: |
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Photantiquariat (Holzkassetten): |
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Argyrotypie-Set: |
Im Artikel erwähnte Markennamen sind das Eigentum der jeweiligen Firmen.
Ihre Erwähnung ist keine Kaufempfehlung sondern nur eine wertfreie Aufzählung
der von mir verwendeten Produkte/Geräte usw. Auch mit Produkten/Geräten
anderer Hersteller ist möglicherweise dasselbe (oder gar ein besseres?
ich experimentiere noch) Ergebnis zu erzielen.
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